Unterstützte Kommunikation (UK)

Unter dem seit 1992 etablierten Oberbegriff „Unterstützte Kommunikation“ (UK) werden alle pädagogischen bzw. therapeutischen Maßnahmen subsumiert, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne Lautsprache bezwecken (Kristen, 1994). 

Die Zielgruppe ist sehr groß und heterogen. Sie umfasst alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Behinderung so stark eingeschränkt sind, dass sie vorübergehend, dauerhaft kaum oder gar nicht, nur mit einem vertrauten Personenkreis oder unter günstigen Umständen lautsprachlich kommunizieren können.

Wenn jemand nicht läuft und/oder das Laufen aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung nicht oder nur unzureichend erlernen kann, sucht man im Alltag nach Alternativen, wie z. B. einem Rollstuhl, Rollator etc., um die Mobilität und Selbstständigkeit aufrechtzuerhalten oder zu erlangen.

Mit UK verhält es sich ganz ähnlich. Kann man nicht oder nur unzureichend sprechen oder die Sprache erlernen, sucht man auch hier nach Alternativen oder Hilfsmaßnahmen, um eine möglichst gute Kommunikation zu ermöglichen. Kommunikation ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sie bestimmt in hohem Maße, wie selbstbestimmt und sozial unser Leben verläuft.

Die Gruppe der UK-Nutzer ist sehr heterogen. In jeder Altersstufe können Menschen auf UK angewiesen sein. Nicht in die verbale Sprache zu finden oder die verbale Sprache zu verlieren kann u. a. folgende Gründe haben:

  • angeborene Behinderungen (Cerebralparesen u. a.),
  • fortschreitende Erkrankungen (Muskeldystrophien u. a.),
  • erworbene Schädigungen nach Unfällen und Schlaganfällen.

UK ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen. UK muss die „natürliche“ Art zu sprechen nicht ersetzen – sie tritt lediglich für die Elemente der Kommunikation ein, die nicht in vollem Umfang beherrscht werden.

UK bedient sich vieler Hilfsmittel, dazu gehören zum einen körpereigene Kommunikationsformen wie Lautsprache, Gebärden oder Blickbewegungen. Zum anderen können Hilfsmittel zum Einsatz kommen wie Kommunikationsbücher mit Fotos und Symbolen oder technische und nichttechnische Kommunikationsgeräte auf Symbol- und/oder Schriftbasis. 

Abhängig von den motorischen und kognitiven Möglichkeiten der Menschen wird eine UK-Hilfe erstellt. Es geht darum, für beeinträchtigte Menschen die Teilhabe am Alltag und Möglichkeiten für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu schaffen. Dies kann neben den Kommunikationshilfen beispielsweise auch über eine Umfeldsteuerung geschehen, mithilfe derer sich Licht, Fernseher, Musik und andere Geräte mit Infrarotschnittstellen bedienen lassen.

Das oftmals noch verbreitete Vorurteil, UK könne in der Sprachentwicklung bei Kindern die verbale Sprache verzögern oder behindern, wurde inzwischen widerlegt. Je mehr ein Kind ausdrücken kann, egal auf welche Weise, desto mehr wird es sich ausdrücken wollen. Viele Kinder beginnen zu sprechen, wenn man ihnen erweiterte Möglichkeiten über UK anbietet.

Zum Beispiel finden Down-Kinder über die GUK-Gesten (Gebärdenunterstützte Kommunikation) schnell in eine Interaktion und Kommunikation. Sie sind auf diesem Wege in der Lage, ihre Wünsche auszudrücken und erobern sich aufgrund dieser Erfahrungen auch die Lautsprache.

UK wird sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eingesetzt, die

  • (noch) nicht sprechen können,
  • nur schwer verständlich sprechen können,
  • keine komplexe Lautsprache erwerben können,
  • aufgrund einer Operation vorübergehend nicht sprechen können.

UK kann bei folgenden Störungsbildern eingesetzt werden:

  • Menschen mit angeborener Behinderung: Cerebralparese, geistige Behinderung, Mehrfachbehinderung, Autismus-Spektrum-Störung etc.
  • Menschen mit einer fortschreitenden Erkrankung: Muskeldystrophie, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose etc.
  • Menschen mit einer erworbenen Schädigung: Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittslähmung, Schlaganfall und dadurch bedingter Sprechstörung (Dysarthrie)
  • Menschen mit vorübergehend eingeschränkten sprachlichen Möglichkeiten: Gesichtsverletzungen, Tracheotomie/Beatmung etc.

Die vorhandenen sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten der betroffenen Menschen sind Ausgangspunkt für ein unterstütztes Kommunikationssystem. Es werden alle körpereigenen und externen Hilfen genutzt, um die Kommunikation des Betroffenen zu verbessern (Boenisch, 2009).

Unterschieden werden körpereigene und externe Kommunikationssysteme:

  1. Körpereigene Kommunikationsformen

Körpereigene Kommunikation: Blicke, Bewegungen, Haltung, Mimik, Gestik, vereinbarte Zeichen für Ja/Nein, Gebärden, Laute, Lautsprache, aber auch individuelle körpereigene Strategien der Kommunikation etc.

  1. Externe Kommunikationshilfen

Nichtelektronische Kommunikationshilfen: zum Beispiel Objekte, Miniaturen, Fotos, Bilder, Symbole, Piktogramme, Kommunikationstafeln, -ordner, (Zeige-)Bücher, Zeichnungen oder Schrift. Diese können auf einzelnen Karten, in Büchern, Ordnern oder auf Tafeln präsentiert werden. Durch Zeigen auf eines oder mehrere Symbole teilen sich Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen mit. Auf diese Weise können einfache Bedürfnisse, aber auch komplexe Inhalte ausgedrückt werden

Gesten und Gebärden

Der Einsatz von Gesten oder Gebärden ist meist spontan verfügbar. Den körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten sollten besondere Beachtung und Förderung entgegengebracht werden, weil sie ein direktes Ausdrucksmittel sind und die Kommunikation stark verbessern können. 

Kommunikationstafeln, -bücher

Eine Kommunikationstafel ist eine Tafel, die mit Bildern und/oder Symbolen ausgestattet ist, auf die Kinder und Erwachsene zeigen können, um sich mitzuteilen. Bei kleineren Kindern werden oft Bücher angefertigt, die durch Bilder und Fotos Wünsche, Bedürfnisse und Alltagsereignisse vermitteln. Auch das Führen von Tagebüchern ermöglicht den Kommunikationspartnern, auf aktuelle Dinge einzugehen und sich mit dem Kind/ Erwachsenen auszutauschen. 

Elektronische Hilfsmittel

Elektronischen Hilfsmittel reichen von der einfachen Verwendung einer Einzelmitteilung bis zum Gebrauch eines komplexen Sprachcomputers. Mit der Bedienung dieser Hilfsmittel können Kinder und Erwachsenen durch die Tonausgabe eine auditiv-basierte Kommunikation aufbauen. 

Elektronische Kommunikationshilfen – zum Beispiel einfache Sprachausgabegeräte mit Tasten (BIGmack, Big Step-By-Step), Sprachausgabegeräte mit Display (GoTalk, Tobii, NovaChat,) – werden unterschieden in einfache und komplexe Sprachausgabegeräte. Einfache Sprachausgabegeräte können Geräte mit einer oder zwei Tasten mit natürlicher Sprachausgabe sein, bei welchen sich über ein Mikrofon Aussagen, Geräusche oder Musik aufnehmen und wiedergeben lassen.

Externe elektronische Kommunikationshilfen

Komplexe Sprachausgabegeräte sind Kommunikationshilfen mit natürlicher oder synthetischer Sprachausgabe. Komplexe Geräte bieten eine große Vokabelauswahl und meist auch grammatikalische Funktionen und ermöglichen, falls gewünscht, auch eine Kommunikation über Schriftsprache. Dem unterstützt kommunizierenden Menschen wird damit mehr Unabhängigkeit und eine größere Flexibilität im Alltag ermöglicht. Ist eine Bedienung des Geräts mit dem Finger nicht möglich, können spezielle Ansteuerungsmöglichkeiten wie beispielsweise mithilfe der Augen (z. B. bei ALS) oder des Kinns eingesetzt werden, die das gewünschte Vokabular auslösen.

Prof. Dr. Boenisch (2008) zog aus seinen Forschungsergebnissen das Fazit, dass der Einsatz von elektronischen Kommunikationshilfen zu einer deutlichen Verbesserung der Sprechfähigkeit führt. Zudem sieht Boenisch Kommunikationsförderung als ein Grundrecht von Menschen ohne oder mit nur wenig Lautsprache an, um ihnen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Unterstützte Kommunikation in der Logopädie ist eine der Spezialisierungen in unseren Logopädie-Praxen in Eislingen und Kirchheim. Aufgrund langjähriger Erfahrungen und intensiver Fortbildungen auf diesem Gebiet sind wir imstande, qualitative und aktuellste Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. Wir beraten in enger Zusammenarbeit mit von ihnen ausgewählten Partnern zu den Möglichkeiten der UK (auch über elektronische Kommunikationsgeräte mit Umfeldsteuerung). 

Wenn Sie mehr zur Unterstützten Kommunikation in der Logopädie in Eislingen oder Kirchheim erfahren wollen, freuen wir uns über Ihre Anfrage oder auch Ihren Anruf. Unser Team steht Ihnen gerne jederzeit beratend zur Seite.

Neben der Therapie bei uns in der Praxis bieten wir auch Hausbesuche sowie Therapien und Beratungen in Ihrer Einrichtung an.

Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder behinderte Kinder sind häufig nicht oder nicht mehr in der Lage, Lautsprache zu benutzen. Kommunikation ist für sie trotzdem notwendig, um sich mitteilen und austauschen zu können. In der UK werden alternative Kommunikationswege beschritten. Von Gesten und Gebärden über Symboltafeln bis zu elektronischen Hilfsmitteln reicht das Repertoire der Verständigungshilfen. Selbst bei sprachgestörten Kindern wird zum Teil bereits die UK eingesetzt, weil sich gezeigt hat, dass die Kinder schneller zur Sprache finden, wenn sie über einen nichtverbalen Kommunikationskanal verfügen. 

UK wird bei Kindern mit angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigungen eingesetzt, z. B. Cerebralparese, Down-Syndrom, Autismus-Spektrum-Störungen, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Tumore, Querschnittssyndrom oder Kindern mit Beatmungspflicht.

Ziele der Therapie können sein:

  • Aufbau von Aufmerksamkeitsreaktionen
  • Aufbau eines Blickkontaktes und/oder Triangulation
  • Aufbau eines Ja/Nein-Codes
  • Ursache-Wirkungsverständnis
  • Selbstwirksamkeit erleben bzw. erlernen
  • Aufbau des Wortschatzes und Sprachverständnisses (z. B. Erarbeiten von sozialen Routinen, Ausdrücke von Wünschen und Bedürfnissen, Herstellen von sozialer Nähe, Austausch von Informationen, die Fähigkeit, Ereignisse zu beschreiben, Probleme zu lösen, neues Verhalten zu lernen)
  • Erlernen der Kulturtechniken Lesen und Schreiben
  • Ermöglichen der Teilhabe im Kindergarten oder in der Schule

Der Fokus der Therapie liegt auf der Verbesserung der Aktivitäten und Teilhabe. Folgende Prinzipien sind wichtig:

  • Früher Beginn
  • Multimodale Therapie
  • Individuelle Therapie
  • Einbezug des Umfelds
  • Orientierung am Alltag

Dabei sollen sämtliche Möglichkeiten, ein umfassendes Kommunikationssystem bereitzustellen, ausgeschöpft werden: Blick, Mimik, Gestik, Laute, Lautsprache, Körperhaltung bzw. -bewegung, Gebärden, nichtelektronische Hilfen, elektronische Hilfen, Gegenstände, Fotos, Symbole, Schriftsprache.

Bei Erwachsenen gibt es folgende Einsatzmöglichkeiten der UK:

  • Neurologische Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Tumore, Schädel-Hirn-Trauma, hoher Querschnitt, Remission eines Wachkomas etc.)
  • Fortschreitende neurologische Erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) etc.)
  • Verletzungen/Erkrankungen des Sprechapparates (z. B. Kehlkopferkrankungen, Lähmungen von Nerven, die Gesicht, Kehlkopf oder Zunge versorgen etc.)
  • Beatmungspflicht

Ziele der Therapie können sein:

  • Aufbau von Aufmerksamkeitsreaktionen
  • Visuelles Fixieren und Verfolgen
  • Aufbau eines Ja/Nein-Codes
  • Selbstwirksamkeit (wieder)erlangen – Umfeldsteuerung
  • Ermöglichen des Lesens und Schreibens
  • Kommunikationsmöglichkeiten erreichen
  • Ermöglichen der Teilhabe im Beruf

Der Fokus der Therapie liegt auf der Verbesserung der Aktivitäten und Teilhabe. Folgende Prinzipien sind wichtig:

  • Früher Beginn
  • Multimodale Therapie
  • Individuelle Therapie
  • Einbezug des Umfeldes
  • Orientierung am Alltag

In der Beratung wird mit Hilfe von Diagnostik- und Beobachtungstools ermittelt, ob ein Förderbedarf im Bereich UK vorliegt. Dabei werden körpereigene, nichttechnische und technische Kommunikationshilfen, Möglichkeiten zur Umfeldsteuerung sowie verschiedene Ansteuerungen erprobt. Gemeinsam mit der Klientin/dem Klienten und ihrem/seinem Umfeld werden individuelle Ziele für eine Verbesserung auf Teilhabe- und Aktivitätsebene erörtert.

Nach der Beratung erstellen wir im Bedarfsfall eine therapeutische Stellungnahme und begleiten Sie bei der Beantragung der Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger.

Die Beratung kann im Rahmen einer ärztlichen Verordnung und auf Kosten der Krankenkasse erfolgen. Bitte dazu bei der zuständigen Ärztin/dem Arzt eine Verordnung für Logopädie besorgen und diese zur Beratung mitbringen. Fragen Sie uns gern, welche Angaben auf der Verordnung vermerkt sein sollten, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Darüber hinaus ist es möglich, die Beratung privat zu bezahlen.

Die Versorgung mit einem Hilfsmittel reicht häufig nicht aus, um die Kommunikation sofort zu verbessern. Um die neue Kommunikationsform im Alltag einsetzen zu können, muss die betroffene Person – und auch das Umfeld – spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen. In der Therapie werden diese vermittelt. Dazu gehören z. B. das Erlernen von Vorläuferfähigkeiten wie Ursache-Wirkungs-Verständnis, Aufmerksamkeit, Erarbeiten eines Vokabulars, Bedienen der Kommunikationshilfe, Anpassen der Kommunikationsoberfläche und Schulung des Umfelds (Eltern, Pädagogen, Therapeuten u. a.). 

Der Fokus der Therapie liegt dabei stets auf der Stärkung der kommunikativen Kompetenzen der Betroffenen im Alltag. Sinnvoll ist daher oft eine Begleitung auch vor Ort, z. B. in Kindergarten, Schule, Werkstätte oder in der Familie.

  • Gebärdensprache (DGS) stellt ein eigenständiges Sprachsystem der Gehörlosen dar, das differenziertere Mitteilungen mit Gebärden ermöglicht. 
  • Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) sind aus der deutschen Gebärdensprache abgeleitet, entsprechen in der Abfolge jedoch der normalen gesprochenen Sprache, weil sie begleitend zum Sprechen gebärdet werden. 
  • Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) ist eine Methode, die es Kindern erleichtert, über Gebärden zum gesprochenen Wort zu kommen und die erfolgreich bei Kindern mit Down-Syndrom angewendet wird. 
  • Babyzeichensprache (Zwergensprache) wurde basierend auf der deutschen Gebärdensprache entwickelt und dient der Verständigung von Eltern mit dem (noch) nicht sprechenden Baby/Kleinkind. Die einfachen, auf deutscher Gebärdensprache beruhenden Handzeichen werden parallel zur normalen Sprache benutzt. Indem das Baby lernt, eine Verbindung zwischen der Bedeutung des Zeichens und dem Zeichen selbst herzustellen, ist es bald selbst in der Lage, sich durch Babyzeichen auszudrücken.