Specials

Castillo Morales®-Konzept

Dr. Rodolfo Castillo Morales hat dank einer differenzierten Betrachtungsweise der sensomotorischen Entwicklung und ihrer Auswirkung auf die Funktionen und Aktivitäten im orofazialen Bereich ein Behandlungskonzept entwickelt, das auch hier in Deutschland Beachtung fand und primär unter dem Begriff „Orofaziale Regulationstherapie“ (ORT) bekannt wurde (Castillo Morales, 1991). Besonders betont werden im Konzept die Auswirkungen von Körperhaltung und Bewegung auf die Position von Kopf, Nacken und Kiefer sowie auf die Aktivitäten der mimischen, oralen und pharyngealen Muskulatur.

Mimische Ausdrucksfähigkeit und Artikulation als feinste und differenzierteste motorische Leistungen der orofazialen Muskulatur sind wesentlich für unsere Kommunikation. Eine ungestörte Koordination von oraler und pharyngealer Muskulatur ist essentiell, um problemlos essen und trinken zu können. Bei Menschen mit neurologischen oder anatomisch bedingten Funktionsstörungen sind diese Fähigkeiten häufig ebenfalls beeinträchtigt. Die therapeutischen Schwerpunkte von Castillo Morales’ Behandlungskonzept liegen daher insbesondere darin,

  • die Kommunikationsfähigkeit Betroffener zu unterstützen und 
  • es ihnen zu ermöglichen, in gesellschaftlichem und sozialem Rahmen auch beim Essen und Trinken angemessen teilhaben zu können. 

Castillo Morales nutzte als therapeutisches Vorgehen zur Entwicklungsförderung ursprünglich Ansätze, die er im Rahmen seiner Ausbildung zum Rehabilitationsarzt in Madrid bei der neurologischen Untersuchung von Neugeborenen und Kindern in der französischen Schule von André Thomas und dessen Schülern kennengelernt hatte und modifizierte diese insbesondere in der Anwendung auf den orofazialen Bereich. 

Seine differenzierte Beobachtungsgabe, die zugewandte Art, mit seinem Gegenüber in Dialog zu treten und die Achtsamkeit, mit der er gewohnt war, auch nonverbale Signale der Kinder zu respektieren, machten ihn zu einem vorbildlichen Untersucher, Therapeuten und Lehrer. Über lange Jahre stand er in regem fachlichen Austausch mit ärztlichen Kollegen und Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen. Er ließ sich immer über die Schulter blicken, hinterfragen und war stets aufgeschlossen für neue therapeutische Sichtweisen und Erfahrungen, deren Wirksamkeit für ihn spürbar oder zu beobachten waren. 

Diesem Anspruch fühlt sich die Gruppe der Lehrtherapeuten ebenso verpflichtet. Gemeinsames Anliegen ist es, den Menschen in seiner Persönlichkeit zu erfassen und die Behandlungsschwerpunkte auf die Bedürfnisse des Individuums und seiner Bezugspersonen abzustimmen. 

Das Castillo Morales®-Konzept ist ein umfassendes, neurophysiologisch orientiertes Therapiekonzept und wird bei Betroffenen jeder Altersstufe eingesetzt. Sein Therapieansatz zielt auf kommunikative, sensomotorische und orofaziale Störungen. Entwicklungsprozesse in unterschiedlichen Bereichen, beispielsweise Kommunikation/Interaktion, Sensomotorik, Essen und Trinken, werden beobachtet, beschrieben, unterstützt und begleitet (vgl. Ch.Türk, S. Söhlemann, H. Rummel, 2012).

Sein Behandlungskonzept entwickelte Castillo Morales primär für Menschen mit muskulärer Hypotonie und sensomotorischen Beeinträchtigungen. Heute wird es vorrangig bei Kindern und Erwachsenen mit verschiedensten sensomotorischen Störungen im Bereich des Gesichtes, Mundes und Rachens angewandt, wie beispielsweise bei

  • Kindern mit angeborenen, anatomisch bedingten Veränderungen im Bereich des Mundes (z. B. Pierre-Robin-Sequenz, Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung); 
  • Kindern mit Hypotonie, z. B. bei Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder anderen genetisch bedingten Syndromen; 
  • Frühgeborenen Kindern mit Problemen beim Trinken und Essen;
  • Patienten aller Altersgruppen mit neurologischen Erkrankungen mit orofazialer Begleitsymptomatik (z. B. neuromuskuläre Erkrankungen, Zerebralparesen, Folgen von Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall).
  • Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten (nonverbal und verbal) 
  • Verbesserung der orofazialen Funktionen: Saugen, Trinken, Schlucken, Kauen, Mimik
  • Verbesserung der sensomotorischen Entwicklung: Tonusregulation, aktive Vertikalisation, zielgerichtete (Fort-) Bewegung, Integration der Sinne (Wahrnehmung) 
  • Essen und Trinken als genussvolles, möglichst selbstständiges Erlebnis 
  • Verbesserung von Aufmerksamkeit, Motivation und Offenheit 

Das Thema Kommunikation ist ein Schwerpunkt in den Bereichen Diagnostik und Therapie. Mit dem Begriff Kommunikation wird im Castillo Morales®-Konzept mehr bezeichnet als Sprechen und Sprache. Da sie auch nonverbal gesteuert wird, umfasst sie beispielsweise auch taktilen Kontakt, Blicke, Mimik oder Gesten. Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, auch mit schwer beeinträchtigten Menschen feinste Verständigungsmöglichkeiten auf allen Ebenen zu finden und so deren Kommunikationsmöglichkeiten zu fördern. In diesem Zusammenhang kann die Unterstützte Kommunikation eine große Rolle spielen.

Zu den Bezugssystemen des Hauses gehören

  • die funktionelle Anatomie, 
  • die Neurophysiologie, 
  • die Philosophie, 
  • die Lateinamerikanische Anthropologie, 
  • die Ökologie und 
  • die Pädagogik. 

All diese Bereiche basieren auf dem Fundament einer guten Kommunikation. Damit wird die Kommunikation in einem menschlichen System, dem Körper, bezeichnet, aber auch die zwischen zwei oder mehreren Menschen. 

Philosophie

Das Castillo Morales-Konzept basiert auf einem humanistischen Menschenbild. Dies prägt den Umgang zwischen Arzt/Therapeut und Patient/Bezugspersonen. Sowohl in seiner inneren als auch in seiner äußeren Haltung begegnet der Therapeut/Arzt seinem Gegenüber auf Augenhöhe. Dadurch werden Hierarchien geebnet; die therapeutische Arbeit wird von Respekt und Achtung getragen. So bekommt die Elternarbeit einen partnerschaftlichen Aspekt zugunsten des Kindes.

Neurophysiologie

Das Castillo Morales®-Konzept fußt auf neurophysiologischer Grundlage. Der Wissenschaftliche Beirat und Beirat der Lehrtherapeuten des Konzeptes setzen sich regelmäßig mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen kritisch auseinander. Bei Bedarf wird das therapeutische Vorgehen angepasst bzw. verändert.

Aufbauend auf das Fachwissen des Grundberufes orientiert sich die Therapieplanung der Castillo Morales®-Therapeuten vor allem an den Kenntnissen über das motorische Lernen, über Haltung und Bewegung, Sinnesphysiologie sowie die physiologischen Abläufe von Saugen, Schlucken und Kauen (vgl. www.castillomoralesvereinigung.de). Das übergeordnete Ziel richtet sich nach der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health). Den Patienten soll die Möglichkeit gegeben werden, weitestgehende Autonomie und Teilhabe am sozialen Leben zu erreichen.

Funktionelle Anatomie

Die Therapie setzt fundierte Kenntnisse über die funktionelle Anatomie, die sensomotorische Entwicklung und besonders den orofazialen Komplex und die Wechselwirkung dieser Systeme voraus. Sie muss Bedingungen der emotionalen, kommunikativen und sozialen Entwicklung ebenso berücksichtigen wie die Kriterien der Autonomie-Entwicklung. 

Bei der Therapie wird die Funktion des orofazialen Komplexes in enger Verbindung zu Positionen und Aktivität des gesamten Körpers beschrieben. Beispielsweise wird das Zusammenspiel der diagonalen Muskelketten über zwei miteinander agierende Dreiecke verdeutlicht, deren Spitzen sich dorsal im thorakolumbalen Übergangsbereich und ventral auf Höhe des Bauchnabels treffen (vgl. www.castillomoralesverenigung.de). Zudem ist die Analyse biomechanischer Zusammenhänge für bestimmte Tätigkeiten im Alltag von Bedeutung. 

Nach dem Grundsatz „Funktion und Form bedingen sich wechselseitig“ gilt es frühzeitig, sekundären Veränderungen beispielsweise des knöchernen Gaumens oder auch Zahn- und Kieferfehlstellungen aufgrund primärer orofazialer Funktionseinschränkungen entgegenzuwirken. Bei der Diagnostik und im Verlauf der Therapie wird daher stets der Zusammenhang zwischen Form und Funktion beachtet. Zum Beispiel kann eine inaktive am Mundboden liegende Zunge nicht den Gaumen ausformen, wie das eine aktive mit einem physiologischen Muskelstatus kann. So kann sich die Form des Unterkiefers und des Oberkiefers entsprechend verändern und die Funktion massiv beeinflussen. 

Ein besonderer Schwerpunkt im Castillo Morales®-Konzept besteht in der Wechselwirkung zwischen Haltung und Aktivität des orofazialen Komplexes und dem Körper. Eine funktionelle Therapie schließt immer beide Aspekte mit ein. 

Propriozeptive Erfahrungen werden durch Behandlungstechniken wie manuelle Vibration, Zug und Druck verdeutlicht. Es gilt, die Aufmerksamkeit des Kindes für sein Erleben und Handeln zu unterstützen, ihm Vertrauen und Sicherheit zu vermitteln, um somit die Motivation zu stärken, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Motorische Aktivitäten im Mund und an der Zunge können auch durch Aktivierung der Hände oder Füße positiv beeinflusst werden. Die Stützfunktion der Füße und Hände sowie die visuelle Orientierung im Raum werden haltungsstabilisierend genutzt.

Lateinamerikanische Anthropologie

Das Castillo Morales®-Konzept berücksichtigt Erkenntnisse der Sozialanthropologie. In die Therapieplanung und -durchführung werden Elemente aus der Erziehung und dem Zusammenleben der Menschen aus den verschiedenen Ethnien Lateinamerikas eingebunden und genutzt. Der enge Körperkontakt, den Kinder in den ersten Lebensjahren erfahren, und die daraus resultierende (Selbst-)Sicherheit wird beispielsweise auf die körpernahe Arbeit zur Unterstützung der sensomotorischen Entwicklung übertragen.

Ökologie

So wie die Ökologie die Wechselbeziehungen der Organismen mit ihrer natürlichen Umwelt berücksichtigt, zieht das Castillo Morales®-Konzept den Zusammenhang von sozialen Beziehungen und individueller Umgebung für die Entwicklung des Menschen in Betracht. Daher spielt beispielsweise die Gestaltung des räumlichen Umfelds, z. B. Licht, Abstützmöglichkeiten, Begrenzung des Patienten, eine ebenso große Rolle wie die Einbeziehung der Angehörigen mit ihren Ideen, Ängsten, Wünschen usw., um eine adäquate Therapiesituation anbieten zu können. Für die Patienten soll eine Atmosphäre des Wohlseins geschaffen werden, die die Motivation und Arbeitseinstellung positiv beeinflusst.

Pädagogik

Die pädagogischen Grundgedanken des Castillo Morales®-Konzepts befassen sich mit der Frage: Wie lernt das Kind/der Erwachsene am sinnvollsten? Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Patienten mitbringen, werden Schritt für Schritt erweitert. Dabei spielt die intrinsische Motivation eine entscheidende Rolle. 

Die Therapeuten gestalten das Umfeld, wecken die Motivation, geben adäquate Hilfestellungen und bieten Möglichkeiten zur Imitation an. Im Mittelpunkt stehen die Patienten mit ihren Bedürfnissen. Je mehr Fähigkeiten das Kind/der Erwachsene entwickelt, desto mehr werden die therapeutischen Hilfen zurückgenommen – gemäß dem Montessori-Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Der therapeutische Prozess findet immer als Dialog zwischen Betroffenen und Therapeuten statt und erfordert von beiden sowie den Angehörigen eine wache Aufmerksamkeit und Motivation.

LSVT® LOUD

Die Methode LSVT® (Lee Silverman Voice Treatment) wurde von den amerikanischen Sprachtherapeutinnen Dr. Lorraine Ramig und Carolyn Mead Bonitati im Jahre 1987 an der Universität Colorado / USA entwickelt und nach der ersten damit behandelten Patientin (Lee Silverman) benannt, die ausschlaggebend für die Entwicklung dieses Konzeptes war.

LSVT® wurde von 1987–1996 in drei Phasen entwickelt, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Schon in der ersten Entwicklungsphase zeigten sich bei 80 % der 150 behandelten Patienten starke Verbesserungen in Lautstärke, Stimmlippenschluss, Atmung und vor allem im alltäglichen Sprechen. 

Es wurden zwei randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt, um die Effektivität zu überprüfen.

LSVT® LOUD unterscheidet sich wesentlich von anderen Ansätzen, indem eine Verbesserung der Verständlichkeit des Sprechens ausschließlich über das Erhöhen der Sprechlautstärke angestrebt wird. Nach dem Motto „All you need is loud“ werden in einem vierwöchigen Intensivprogramm regelmäßig Übungen zur Verbesserung der Stimmfunktion und Sprechlautstärke durchgeführt.

Es gibt Hinweise in verschiedenen Untersuchungen, dass der Stimme eine Schlüsselrolle im Sprechsystem zukommt. So hat sich gezeigt, dass intensives Stimmtraining häufig auch deutliche Verbesserungen anderer Funktionsbereiche des Sprechens wie der Atmung, der Aussprache und der Satzmelodie (sogenannte „Crossover“-Effekte) und des Schluckens bewirkt.

In Studien wurde nachgewiesen, dass LSVT®-Übungen mit hoher Intensität und Frequenz, Bedeutsamkeit für den Patienten, adäquater Komplexität und zum richtigen Zeitpunkt enorme positive Auswirkungen auf die neuronale Plastizität haben. Dies wiederum hat einen positiven Einfluss auf die Hirnfunktion und kann den Krankheitsverlauf verlangsamen (vgl. Kleim & Jones, 2008; Kleim et al., 2003; Zidmond et al., 2009). Die LSVT-Therapien stimmen mit Theorien zum motorischen Lernen, dem Erwerb von Fähigkeiten und den Prinzipien der neuronalen Plastizität überein (vgl. Verdolini, 1997; Schmidt & Lee, 1999; Kleim & Jones, 2008).

Die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten ist das Hauptziel der LSVT® LOUD-Therapie im Bereich Morbus Parkinson. 

Die intensive theoretische und klinische Forschung zur Methode LSVT® LOUD zeigte folgende Resultate:

  • Die Lautstärke der Stimme nimmt zu
  • Die Verständlichkeit verbessert sich
  • Der Gesichtsausdruck wird lebendiger
  • Die Schluckfunktionen verbessern sich
  • Die Verbesserung der neurologischen Funktionen kann in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sichtbar gemacht werden.

Das Programm LSVT® LOUD hilft dabei, die eigenen Stimmkräfte zu stärken, indem es die Kommunikationsfähigkeit fördert und somit zu einer höheren Lebensqualität beiträgt. Dies geschieht automatisch durch die Nutzung der lauten Stimme, die zuvor erarbeitet wurde.

Durch Übungen wird das peripher-motorische System trainiert, da eine permanente sensomotorische Stimulation erreicht wird. Das zentrale Nervensystem (d. h. der Cortex, die Basalganglien) wird durch das motorische Lernen aktiviert. Zudem wird die sensorische Propriozeption für den inneren Antrieb stimuliert.  Das emotionale System wird durch das limbische System repräsentiert, das durch die stetige Motivation und Bestärkung für das Geleistete ebenfalls positive Anregungen erhält.

Die LSVT®LOUD-Therapie erfolgt im „Sprechzimmer“ nur durch erfahrene, staatlich anerkannte LSVT®LOUD-zertifizierte Logopädinnen/Logopäden.

Um einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen, welcher durch wissenschaftliche Studien belegt wurde, werden über einen Zeitraum von 4 Wochen je 4-mal pro Woche, jeweils 60 Minuten, Einzeltherapien durchgeführt. Dazu kommen 2 Stunden für die Eingangsuntersuchung und 1 Stunde Nachuntersuchung. Das ergibt insgesamt 19 Therapieeinheiten.

Eine maßgebliche Unterstützung ist das Training zu Hause. In diesen vier Wochen trainieren Betroffene 1-mal täglich an Tagen, an denen eine Therapie stattfindet und 2-mal täglich an therapiefreien Tagen. 

Durch die hohe Intensität des Übens wird eine große Anstrengung der Betroffenen erreicht, die durch häufiges Wiederholen, Kraftaufwand bzw. Widerstand während des Übens untermauert wird. Hinzu kommen eine Verbesserung der Genauigkeit und eine positive Ermüdung in den Muskelsynergien. 

Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung kann eine fünfte Therapiewoche erforderlich sein.

Nach je 6 Monaten erfolgt ein Kontrolltermin, um den Erfolg der Therapie, d. h. den Transfer des Gelernten in den Alltag zu überprüfen.

Eine Wiederholung des Therapieprogramms ist je nach Krankheitsverlauf indiziert, um so lange wie möglich eine verständliche, verbale Kommunikation aufrechterhalten zu können. 

Derzeit ist eine Wirkung von 2 Jahren wissenschaftlich nachgewiesen.

Die Behandlung sollte im Verlauf der chronischen Erkrankung Morbus Parkinson so früh wie möglich durchgeführt werden.

Ein frühes Stimmtraining wirkt präventiv gegen die Entwicklung einer Dysarthrophonie.

Medikamente und Operationen können andere Symptome der Parkinsonerkrankung zum Teil stark verbessern, jedoch helfen sie bei Sprechstörungen nicht. Die einzige Möglichkeit, das Sprechen zu verbessern, ist die Sprechtherapie.

Zu Beginn der Intervention und auch kontinuierlich während der Übungsphasen werden alle Übungsdaten, d. h. Lautstärke, Tonhaltedauer sowie Tonhöhenumfang regelmäßig gemessen und protokolliert. So haben Übende und Anleitende immer die Möglichkeit, den momentanen Stand objektiv zu beurteilen. 

Um den gesamten Therapieverlauf mit allen Höhen und Tiefen verfolgen zu können, werden alle Messergebnisse dokumentiert.

Die logopädische Therapie ist auch bei Morbus Parkinson ein Heilmittel und muss ärztlich verordnet werden. 

Die Kosten für die Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. 

Eine Verordnung der LSVT® LOUD-Therapie umfasst:

Diagnoseschlüssel: SP6
Diagnose: Störung der Sprechmotorik / Dysarthrophonie
Leitsymptome: Störung der Stimme und der Artikulation

LSVT®LOUD-Einzeltherapie:
1 Erstverordnung (inkl. logopädischer Diagnostik):
10-mal 60 Minuten, 4-mal pro Woche

1 Folgeverordnung:
10-mal 60 Minuten, 4-mal pro Woche

LSVT®LOUD-Gruppentherapie:
6-mal (oder 10-mal) 90 Minuten, 1-mal pro Monat

In der Nachsorge-Gruppe wird einmal im Monat unter therapeutischer Leitung das LSVT® LOUD-Programm wiederholt und es werden Anregungen für das weitere häusliche Üben sowie für den wichtigen Transfer in den Alltag gegeben. 

Ebenso soll anschließend ein Rahmen geschaffen werden, der zu einem Austausch zwischen den Betroffenen und/oder ihren Angehörigen anregt. 

Eine Gruppensitzung dauert 90 Minuten und kann ärztlich verordnet werden.

Die LSVT®LOUD-Therapie basiert auf 5 Grundprinzipien:

1.Stimme:

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Stimme, wobei Lautstärke, Modulation und Tonhaltedauer trainiert werden (Sprich laut! Loud is all you need!).

2. Kraft:

Die Patienten sollen die erforderliche Lautstärke über Kraftanstrengungen erreichen (Krafttraining).

3. Selbstkontrolle:

Die Patienten sollen lernen, die Lautstärke und die Tonhaltedauer selbst zu kontrollieren und zu initiieren.

4. Messung und 5. Dokumentation:

Alle Übungsdaten (Lautstärke, Tonhaltedauer, Tonhöhenumfang) werden regelmäßig gemessen und protokolliert, um den Erfolg zu objektivieren und zu dokumentieren.

In der Ergotherapie sowie der Physiotherapie wird das Konzept LSVT® BIG, welches sich auf die ganzkörperlichen Bewegungen bezieht, ebenfalls erfolgreich durchgeführt. Auch in diesem Bereich gibt es beweisende Studien, die für dessen Durchführung sprechen.

Das Vorhaben, die beiden Therapiekonzepte LSVT® LOUD und LSVT® BIG zu verknüpfen, steckt derzeit noch in den Kinderschuhen. Die momentan verfügbaren Studien sind vielversprechend. Dieser Ansatz heißt LSVT® HYBRID.

LSVT® LOUD hat viele Erfolge im Bereich der Stimmbehandlung bei neurologisch erkrankten Patienten gehabt. Studien haben belegt, dass die Therapien, die via Internet bzw. „Skype“ gehalten wurden, ähnliche Erfolge erreichen konnten.

Um ein optimales Therapieresultat zu erhalten, ist es erforderlich, dass LSVT® von Therapeuten durchgeführt wird, die für diese Methode ein Zertifikat erworben haben. Im „Sprechzimmer“ wurden bereits erfolgreich Intensivtherapien vorgenommen.

Neuromotorische Kontrolle (NMK) nach Dr. Juan J. Brondo

Die Neuromotorische Kontrolle (NMK) ist ein umfassendes, neurophysiologisch orientiertes Therapiekonzept für Kinder und Erwachsene mit sensomotorischen und orofazialen Störungen.

Dr. J. Brondo und Castillo Morales entwickelten ein Konzept mit zwei Behandlungsschwerpunkten. Der eine Schwerpunkt ist die Regulationstherapie des orofazialen Bereichs (ORT), der andere die neuromotorische Entwicklungstherapie (NET).

Das orofaziale Behandlungskonzept (ORT) entstand aufgrund Castillo Morales‘ und Dr. J. Brondos Erfahrungen aus ihrer Arbeit mit Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Down Syndrom und muskulären Hypotonien.

Ab einem gewissen Zeitpunkt trennten sich die therapeutischen Wege der Begründer des ORT-Konzeptes. Dr. Juan Brondo entwickelte das Konzept weiter und gab ihm einen neuen Namen. Daher spricht man heute von der Neuromotorischen Kontrolle (NMK) nach Dr. Juan J. Brondo.

Das Konzept beinhaltet die Cervico-Cranio-Orofaziale Regulationstherapie (COCS) nach Dr. J. Brondo. Es ist ein aktuelles, holistisches und integrierendes Konzept und basiert auf der funktionellen biomechanischen sowie neurosensomotorischen Entwicklung und den aktuellsten Erkenntnissen der Neurophysiologie. Es wird bei Kindern und Erwachsenen mit sensomotorischen Störungen im Bereich des Gesichts sowie des Mundes und Rachens und insbesondere bei der Behandlung von Saug-, Schluck -, Kau- und Sprechstörungen angewandt.

Die NMK nutzt unterschiedliche Techniken, die sich kohärent und dynamisch ergänzen. Dies erlaubt dem Therapeuten eine strukturierte und methodologisch sequenzielle therapeutische Arbeit, mit der komplexe Bewegungsabläufe wie Saugen, Schlucken, Kauen, mimische Bewegungen angebahnt und verbessert werden.

Der Anwendungsbereich ist sehr breit gefächert und reicht von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Morbus Down und anderen Pathologien mit mundmotorischen Störungen über Cerebralparesen, Hirntraumen, Fazialisparesen bis hin zu einfachen Artikulationsstörungen. Auch die Störungen bei der Nahrungsaufnahme bei Säuglingen oder Probleme von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen, Haltungsschwäche und Speichelinkontinenz können mit der Therapie nach Dr. J. Brondo gemindert werden.

Für erwachsene Patienten eignet sich die Behandlung bei erworbener oder angeborener Fazialisparese, Dysphagie und Sprechstörungen nach Schlaganfall und anderen neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose u. a.

Die Behandlung zielt auf die Vorbereitung der Muskulatur für die Funktionen beim Essen, Trinken und Sprechen. Durch die Stimulation bestimmter Bereiche am orofazialen Komplex werden die sensomotorischen Bewegungsabläufe der mimischen Muskulatur sowie der Zungen-, Kau- und Schluckmuskulatur verbessert und die Atmung positiv beeinflusst. Zur Unterstützung der Therapie ist in einigen Fällen eine individuell von Kieferorthopäden angefertigte Gaumenplatte hilfreich, die die gleichen Ziele verfolgt wie die Übungsbehandlungen und die erwünschten Funktionen zusätzlich fördert und erhält.

Die Therapie setzt exaktes anatomisches Wissen über die muskulären Verläufe, ihre Innervierung, die verschiedenen Muskelfunktionen, die Entwicklung der physiologischen Funktionen des orofazialen und gesamtkörperlichen Komplexes und die Wechselwirkungen dieser Systeme sowie ihre Verarbeitung im Gehirn voraus.

Der Therapieansatz für Säuglinge und Kinder orientiert sich an der normalen sensomotorischen Entwicklung des Kindes. Die propriozeptiven und motorischen Erfahrungen werden durch manuelle Behandlungstechniken wie Dehnung, Zug, Druck und Vibration eingeleitet, mithilfe derer Muskeln und Muskelketten aktiviert werden.

Behandelt werden Frühchen, Säuglinge, Kinder und Erwachsene mit

  • angeborener Gesichtsfehlbildung,
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte,
  • Saug-, Trink- und Fütterstörungen,
  • Pierre-Robin-Sequenz,
  • Franceschetti-Syndrom,
  • Cerebralparese,
  • erhöhtem Speichelfluss,
  • Muskelhypotonie, beispielsweise bei Down-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom,
  • Moebius-Syndrom und anderen Syndromen,
  • zentralmotorischen Störungen und Mehrfachbehinderungen, z. B. bei Cerebralparese,
  • Folgen von Schädel-Hirn-Trauma,
  • Folgen von Schlaganfall,
  • peripheren Paresen, z. B. Plexusparesen oder Myelomeningozelen,
  • neuromuskulären Erkrankungen,
  • muskulären Kiefergelenkbeschwerden,
  • Fazialisparese.

Das Ziel ist eine verbesserte Wahrnehmungsentwicklung (Sehen, Spüren, Hören) und Koordination der sensomotorischen Entwicklung des Kindes sowie eine Verbesserung der aktiven Aufrichtung und Bewegung.

Im orofazialen Bereich findet eine Aktivierung und Regulierung der Funktionen wie Saugen, Schlucken, Speichelkontrolle durch die Verbesserung des Buccinatormechanismus, Kauens, der Mimik sowie allgemeinen Artikulation statt.

Dies wird durch direkte manuelle Einwirkung auf Haut-, Muskel, Sehnen- und Gelenkrezeptoren über Druck, Zug, Dehnung und Vibration erreicht. Eine indirekte Einflussnahme erfolgt durch das Setzen sensorischer Reize über verschiedene Sinneskanäle (visuell, auditiv, taktil und gustatorisch).

Für den Erfolg des Behandlungskonzeptes ist eine regelmäßige Behandlung nötig. Daher ist es wichtig, die Eltern zu unterstützen und sie in ihren elterlichen Kompetenzen zu bestärken, sodass sie nach intensiver Anleitung der Therapeutin/des Therapeuten selbstständig und regelmäßig Teilsequenzen zu Hause wiederholen können.

Ein anderes wichtiges Ziel ist die Vermeidung von pathologischen Kompensationsstrategien, die zu Folgekomplikationen führen können.

Des Weiteren sollen nonverbale und verbale Kommunikationsmöglichkeiten erweitert werden und eine Förderung der Selbstständigkeit bei der Kommunikation, des Essens und des Trinkens sowie der Fortbewegung erfolgen.

Die Behandlung ist indiziert bei Störungen, die von Dysfunktionen im orofazialen Bereich begleitet werden. Es wird Einfluss genommen auf

  • Körper-, Kopf- und Kieferhaltung,
  • Mimik,
  • Zahnstellung,
  • Wangen-, Lippen- und Zungenfunktion,
  • Probleme beim Saugen, Schlucken, Kauen,
  • Atmung,
  • Kieferwachstum und Kieferstellung,
  • Artikulation.
  • Saug-, Trink-, Schluck und Fütterstörungen bei Früh- und Neugeborenen
  • Fütterstörungen organischer Genese
  • Cerebralparese
  • Syndrome mit mundmotorischen Problemen (z. B. Down-Syndrom, Moebius-Syndrom, Pierre-Robin-Syndrom)
  • Erhöhter Speichelfluss
  • Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma
  • Fazialisparese (Lähmung der mimischen Muskulatur)
  • Dysphagie
  • Dysarthrie
  • Muskelhypotonie
  • Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Periphere Paresen

Sprachreich: Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher

Das Konzept „Sprachreich“ wurde vom Deutschen Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl) für interessierte Erzieherinnen und Erzieher entwickelt, die sich im Bereich der Sprachförderung weiterentwickeln wollen. Es ist ein fundiertes Konzept zur logopädischen Sprachförderung im Kindergartenalltag. Damit ist es nach der Einführung in jeder Einrichtung und jederzeit einsetzbar. 

Es profitieren alle Kinder, die zusätzlich im Kindergartenalltag gefördert werden, in der Altersrange von 0 bis 6 Jahren: Kinder mit Deutsch als Muttersprache ebenso wie Kinder, für die Deutsch die zweite oder dritte Sprache ist.

Das Konzept: „Sprachreich“ weist den Weg in einen positiven kommunikativen Alltag und kann in jeder Einrichtung mit wenig Aufwand eingesetzt werden.

Das Ziel des Konzepts ist eine dauerhafte optimale Förderung der Sprachentwicklung aller Kinder der Einrichtung. Dabei sind im „Sprachreich“-Konzept die Erzieherinnen und Erzieher der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb zielt „Sprachreich“ darauf ab, ihre Kompetenzen zu stärken in Hinblick auf

  • das Wissen über den Verlauf der kindlichen Sprachentwicklung,
  • den Einsatz sprachfördernder Verhaltensweisen im Kita-Alltag,
  • die Reflexionsfähigkeit des eigenen Verhaltens,
  • die Einschätzung der kindlichen Sprachentwicklung,
  • die Beratung von Eltern bezüglich der Sprachentwicklung ihrer Kinder.

Die „Sprachreich“- Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher vermittelt Kenntnisse in folgenden Bereichen:

  • Ein- und mehrsprachige Entwicklung
  • Zusammenhang von allgemeiner Entwicklung und Sprachentwicklung
  • Sprachhemmende und sprachfördernde Faktoren der Sprachentwicklung
  • Erzieherinnen und Erzieher als sprachliche Vorbilder
  • Anwendung alltagsorientierter Sprachförderung im Kindergartenalltag
  • Risikofaktoren für die Ausbildung von Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprach-, Sprech-, Stimm- und Hörstörungen im Kindesalter
  • Zuständigkeiten von Bildungs- und Gesundheitswesen

Das Konzept „Sprachreich“ ist:

  • Entwicklungsorientiert, denn es bezieht sich auf alle Stufen und Bereiche der Sprachentwicklung und ist für Kinder aller Altersgruppen geeignet.
  • Verhaltensorientiert, denn es setzt am intuitiven Verhalten in der Interaktion zwischen Erzieherin/Erzieher und Kind an und bezieht diese bewusst mit ein.
  • Kommunikationsorientiert, denn es vollzieht sich in der alltäglichen Interaktion zwischen Erzieherin/Erzieher und Kind und unterstützt den Aufbau und Einsatz vielfältiger Formen der Kommunikation (Mimik, Gestik, Stimme, Körperausdruck u. a. m.).
  • Alltagsorientiert, denn es ist im Tagesablauf durchgehend anzuwenden, d. h. in jeder Interaktions- oder Spielsituation zwischen Erzieherin/Erzieher und Kind.
  • Praxisorientiert, denn „Sprachreich“ braucht keine zusätzlichen Hilfsmittel, Räumlichkeiten oder zeitlich-organisatorischen Aufwand.

Wenn Sie sich für ein Seminar zu Themen, die für Ihre Einrichtung wichtig sind, in Ihrem Hause interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

vocaSTIM®-Trainingstherapie

Aufgrund von Hirnnervenschädigungen erkranken in Deutschland jährlich ca. 25 000 Menschen. Die Reizstromtherapie erzielt gute Erfolge bei der Behandlung betroffener Patienten. Sie ergänzt die bisher bekannten konservativen Verfahren, beschleunigt die Regeneration und hilft, Folgeschäden zu vermeiden.

Die vocaSTIM®-Trainingstherapie bietet die Möglichkeit zur gezielten Therapie im Hals- und Gesichtsbereich. Das Gerätekonzept basiert zu großen Teilen auf den Forschungsergebnissen und langjährigen praktischen Erfahrungen des Rostocker Phoniaters Prof. Dr. Dr. med. Pahn und seines Kollegen Prof. Radü (Bochum).

Die Therapiemethode beruht auf dem bekannten und erprobten Verfahren der neuromuskulären Elektrostimulation (NMES nach Prof. EDEL).

NMEPS und NMEAS basieren auf Elektrostimulation in Form von Intentionsübungen, die mit exakt auf die Indikation und den Schädigungsgrad abgestimmten Reizstromparametern arbeitet.

Die Reizstromtherapie mit dem vocaSTIM®-Gerät erzielt gute Erfolge bei der Behandlung betroffener Patienten. Sie ergänzt die bisher bekannten konservativen Verfahren, beschleunigt die Regeneration und hilft, Folgeschäden zu vermeiden. Sie dient der Förderung der Durchblutung sowie der Mobilisation und Stimulation kleinster Muskeln.

Stimmstörungen (NMEPS = Neuromuskuläre elektrophonatorische Stimulation):

  • Lähmungen (Paresen) des N. recurrens
  • Lähmungen (Paresen) des N. laryngeus superior
  • Kombinierte Larynxparesen
  • Neuromuskuläre Ermüdungen
  • Neuromuskuläre Verspannungen

Zentrale / periphere Sprech- und Schluckstörungen

(NMEAS = Neuromuskuläre elektroartikulatorische Stimulation):

  • Dysphagie
  • Dysarthrie
  • Facialisparese

Die Reizstrombehandlung darf nicht eingesetzt werden bei

  • hochentzündlichen, fieberhaften Erkrankungen,
  • Schwangerschaft,
  • Patienten mit Herzschrittmachern oder anderen implantierten Stimulatoren,
  • malignen Tumoren,
  • spastischen Lähmungen,
  • Hautdefekten im Behandlungsbereich,
  • Implantaten mit Metallteilen im Behandlungsgebiet.

Web-Adresse: www.vocastim.de

Marburger Konzentrationstraining (MKT) –Konzentriert geht’s wie geschmiert!

Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) wurde Anfang der 1990er-Jahre von dem Marburger Schulpsychologen Dieter Krowatschek entwickelt. Krowatschek stellte sein Konzept 1992 auf der 10. Bundeskonferenz der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen vor. 

Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) beruht auf der Methode der verbalen Selbstinstruktion, die der kognitiven Verhaltenstherapie entstammt, und ist für Kinder geeignet, die leicht ablenkbar sind oder Schwierigkeiten mit der Konzentration haben, aber auch für solche, die ihre Fähigkeiten des Lernens erweitern und strukturieren möchten.

Das MKT beinhaltet das Training der Sinne, eine Entspannungssequenz, das Einüben des reflexiven Arbeitsstils und Belohnungssysteme, die das Selbstbewusstsein des Kindes fördern.

Zu jeder Übungseinheit gehört das Training der Basissinne. In diesem Bereich werden alle Wahrnehmungskanäle sowie das Gedächtnis mit spielerischen Übungen trainiert und gefördert.

Entspannung ist eine Voraussetzung für konzentriertes Arbeiten. Für viele Kinder ist es sehr schwierig, zur Ruhe zu kommen und sich auf eine Situation einzulassen. Während dieser Sequenz lernen sie, sich systematisch zu entspannen.

Impulsiv arbeitende Kinder lernen sich zu bremsen sowie genaues Arbeiten. Kinder, die sehr langsam und unstrukturiert arbeiten, lernen kontrolliert und Schritt für Schritt weiterzuarbeiten.

Leider erleben viele unkonzentrierte Kinder im Alltag Misserfolge und beginnen, an sich selbst und ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Während des MKT lernen sie, Probleme selbstständig anzugehen, dass ein Fehler nichts Schlimmes ist und dass sie vieles tatsächlich schon gut können. Auf diese Weise wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt und ebenso ihre Bereitschaft, weiter zu lernen, auch wenn die Aufgabe zu Beginn schwierig erscheint.

Belohnungssysteme dienen als positive Verstärker und motivieren durch Freude. Erfolgserlebnisse ermutigen und veranlassen Kinder, sich Mühe zu geben und vieles zu wagen, was sie sonst nicht versucht hätten.

Vor Beginn des MKT findet ein Elternabend statt, bei dem über das Konzept informiert wird und es die Möglichkeit zu Fragen und Austausch gibt.

 

Es gibt ein MKT für verschiedene Altersklassen:

  • Vorschulkinder
  • bis zur 2 Klasse
  • 2 bis 4 Klasse 
  • Jugendliche

Eine Trainingsgruppe besteht aus maximal 6 Kindern, eine Trainingseinheit dauert eine Stunde.

Ein Kind hat Konzentrationsschwierigkeiten, wenn es ihm schwerfällt, seine Aufmerksamkeit der Situation entsprechend zu steuern, also

  • sich einer Sache gezielt zuzuwenden und dabeizubleiben,
  • Unwichtiges auszublenden und 
  • die Aufgabe in angemessener Zeit zu bearbeiten.

Konzentrationsstörungen hindern das Kind daran, die Leistungen zu erbringen, die ihm aufgrund seiner Intelligenz eigentlich möglich wären!

  1. Unkonzentriert und unruhig: Diese Kinder sind unaufmerksam, ablenkbar, wenig ausdauernd, motorisch unruhig und überaktiv und impulsiv, sie können z. B. nicht abwarten, etwas zu erzählen. 
  2. Vorwiegend unkonzentriert: Diese Kinder sind in der Schule eher unauffällig, haben aber Schwierigkeiten mit dem Lernstoff. Sie sind verträumt, sie wissen nicht, was die Aufgabe ist oder bleiben nicht bei der Sache. Ihnen unterlaufen Flüchtigkeitsfehler, sie brauchen viel Zeit, bis sie mit der Aufgabe beginnen und geben schnell auf.

Konzentrationsprobleme haben Leistungsprobleme zur Folge, die häufig auch zu Verhaltensproblemen oder psychischen Störungen führen können (z. B. Ängsten oder Vermeidungsverhalten, einem schwachen Selbstwertgefühl, Leistungsdruck, Blackouts in Prüfungssituationen). Die Eltern-Kind-Beziehung kann ebenfalls belastet werden (z. B. durch ständige Auseinandersetzungen über Hausaufgaben).

  • Entwicklung eines planvollen Arbeitsstils statt impulsivem Vorgehen (Selbstinstruktion)
  • Selbstständigkeit 
  • Vernünftiger Umgang mit Fehlern 
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft 
  • Zutrauen in eigenes Können 
  • Verbesserung der Eltern-Kind-Interaktion 

Entscheidender Bestandteil des MKT ist die Methode der verbalen Selbstinstruktion, die in fünf Schritten erlernt wird: 

  1. Modell-Lernen (Die Trainerin/der Trainer führt als Modell vor, wie das Kind zu einer Aufgabe sprechen und diese durchführen soll).
  2. Fremdsteuerung (Die Trainerin/der Trainer spricht die Instruktion zu der Aufgabe und das Kind führt die Aufgabe durch). 
  3. Lautes Denken (Das Kind spricht die Instruktion laut, während es die Aufgabe durchführt)
  4. Leise Selbstinstruktion (Das Kind flüstert die Instruktion bei der Durchführung).
  5. Inneres Sprechen/Innere Selbstinstruktion (Das Kind denkt sich die Instruktion, während es die Aufgabe durchführt). 

1.Begrüßungsrunde: Ankommen in der Situation, persönliche Begrüßung, Strukturierung

2. Dynamische Übung: Spielerische Übungen mit grobmotorischen Anteilen. Dies dient dem Spannungsabbau, die Atmung wird hierbei angeregt, sodass sich der Sauerstoffanteil im Blut erhöht.

3. Entspannungsübung: Diese Übungen entsprechen der Grundstufe des autogenen Trainings und leisten Hilfe bei der Verarbeitung von Stress (Leistungsdruck, Streit, Veränderungen in der Familie, Medieninhalte, die noch nicht verarbeitet werden können …).

In kindgerechter Weise werden Körperempfindungen wie Ruhe, Schwere und Wärme vermittelt. Kinder genießen in der Regel den Entspannungszustand. Ihre Phantasie wird angeregt und gefördert, ihr Selbstwertgefühl erhöht sich. Wichtig dabei ist, dass die Kinder sich in der Situation wohl fühlen, weshalb wir auf eine freundliche Atmosphäre und eine vertrauensvolle Beziehung zur Trainerin/zum Trainer achten. 

4. Arbeitsphase: Bearbeitung von Arbeitsblättern aus dem Trainingsprogramm in der Gruppe. Wichtig dabei ist: 

  • Alle halten die (begründeten) Regeln ein. 
  • Es befinden sich nur die Materialien auf dem Tisch, die jeweils benötigt werden.
  • Die Aufgaben werden von allen gemeinsam bearbeitet, es geht z. B. nicht darum, wer schneller ist, sondern darum, den anderen gut zuzuhören. 
  • Strukturiertes Vorgehen (Lesen der Aufgabenstellung, Wiederholen in eigenen Worten, Umgang mit Arbeitsmaterialien/Hefter, Abwarten in der Gruppe.). 
  • Positiver Umgang mit Fehlern (Sorgfältiges Arbeiten führt zu weniger Fehlern, Fehler selbst finden und korrigieren, Steigerung des Selbstwertgefühls: Ein Fehler ist nicht schlimm, ich kann ihn korrigieren.).
  • Förderung der Motivation durch ein Belohnungssystem.

5. Kim-Spiel:

Die Bezeichnung Kim-Spiele geht auf die literarische Figur des gleichnamigen britischen Romans Kim von Rudyard Kipling zurück. Kim trifft in Indien einen Händler und dessen Sohn. Der Händler zeigt den beiden Jungen einige Juwelen auf einem Tablett. Nachdem sie einen Blick darauf geworfen haben, sollen sie aus ihrem Gedächtnis die Steine aufzählen und beschreiben. Kim stellt fest, dass der Sohn des Händlers dies viel besser kann als er. Daraufhin nimmt er sich vor, solche Aufgaben zu üben. Kim-Spiele bewirken u. a.:

  • Fokussierung der Aufmerksamkeit 
  • Training der Merkfähigkeit 
  • Die Aufmerksamkeit wird gezielt auf Wahrnehmungsmodalitäten gerichtet
  • Verbesserung der Sinneswahrnehmungen
  • Ausblenden von anderen, nicht relevanten, ablenkenden Reizen 

Beispiele: Hörmemory, Schmecken mit verbundenen Augen, visuelle Merkspiele etc. 

Es gibt eine zweite Arbeitsphase am Tisch (vergleiche oben).

Die Spielphase vermittelt Belohnungen und ein positives Gruppengefühl (Inhalte sind auch hier Konzentration und Merkfähigkeit).

6. Abschlussrunde: Gemeinsam reflektieren, Selbsteinschätzung der Kinder, Verabschiedung

Die immer gleiche Struktur der Trainingseinheiten vermittelt Sicherheit und hilft den Kindern bei der Entwicklung einer strukturierten Arbeitsweise.