Stimmtherapie nach Laryngektomie (Kehlkopfentfernung) 

Im Rahmen einer Tumorerkrankung im Mund-, Rachen- oder Halsbereich kommt es bei einer Laryngektomie zu einer operativ notwendigen Trennung von Luft- und Speiseweg. Der Kehlkopf als oberes Ende der Luftröhre wird entfernt und steht damit nicht mehr für die Stimmgebung beim Sprechen zur Verfügung.

Der Atemausgang der Luftröhre befindet sich nun am unteren Halsbereich in Form eines Tracheostomas, durch welches ein- und ausgeatmet wird. Meist wird dieses Tracheostoma mit einer individuell angepassten Kanüle versorgt. 

Dieser massive Eingriff in das atemluft- und stimmgebende System bringt für die Betroffenen eine Vielzahl von Einschränkungen mit sich. Zum Beispiel können das Riechen und Schmecken, das Pressen beim Stuhlgang sowie unter Umständen auch vorübergehend das Schlucken beeinträchtigt sein.

Die gravierendste Beeinträchtigung jedoch stellt der Verlust der Stimme als Voraussetzung für das Sprechen und die damit verbundene Stimm- bzw. „Tonlosigkeit“ dar.

Trotz der erheblichen, vielfältigen Funktionseinschränkungen ist es möglich, die Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen wiederherzustellen. Ausgehend vom postoperativen Zustand sowie weiteren medizinisch notwendigen Maßnahmen im Rahmen der Tumorbehandlung (z. B. Strahlentherapie oder Kombination aus Radio- und Chemo-Therapie) und im Zusammenhang mit den individuellen Gegebenheiten können verschiedene therapeutische Maßnahmen zur Ersatzstimmanbahnung ergriffen werden. 

Der Patient lernt unter logopädischer Anleitung, mit dem oberen Ringmuskel der Speiseröhre durch gezieltes Ansaugen oder Einpumpen von Luft in die Speiseröhre (Ösophagus) Töne in Form eines artikulierten „Rülpsens“ (Rülpston) zu bilden, die dann durch eine silbische Artikulationsweise zunehmend zu Wörtern geformt werden können. 

Diese Art der Stimmgebung benötigt viel Übung und Geduld und ein intensives Training in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten, bis eine relativ mühelose Kommunikation wieder möglich ist. 

Die elektronische Sprechhilfe ist ein kleines handliches Gerät. Die schwingende Membran der Sprechhilfe erzeugt einen Ton. Dieser wird über die Halsweichteile in den Mundraum übertragen, um dort durch die Artikulationsstellung zu Wörtern geformt zu werden. 

Die Handhabung des Gerätes ist relativ mühelos und eignet sich hervorragend für einen raschen postoperativen Einsatz, um das Sprechen schnell zu ermöglichen. Für eine dauerhaft gute Verständlichkeit und befriedigende Kommunikationsfähigkeit unter Alltagsbedingungen (Umgebungsgeräusche) muss jedoch eine optimale Abstimmung zwischen dem etwas monoton klingenden Ton und einer präzisen Artikulationsweise unter therapeutischer Anleitung erlernt werden.

Für diese Art der Stimmrehabilitation muss man sich bereits präoperativ im Rahmen des ärztlichen Aufklärungsgesprächs entscheiden. Während des operativen Eingriffs wird zwischen der Rückwand der Luftröhre und der Vorderwand der Speiseröhre ein „Durchgang“ (Shunt) angelegt, in den eine Stimmventilprothese unmittelbar nach der Kehlkopfentfernung eingesetzt wird. Nach abgeschlossener Wundheilung, kann dann durch Zuhalten des Tracheostomas oder durch Abdichten der Kanüle ein Ton erzeugt werden. Dieser entsteht durch die Lenkung der Ausatemluft über die Speiseröhre zum oberen Ösophagussphinkter.

Manchmal ist die Stimmgebung mit der Stimmventilprothese nicht sofort möglich. Unter logopädischer Anleitung kann jedoch mittelfristig die Stimmventilprothese für eine mühelose und klangvolle Stimmgebung aktiviert werden.